T12-Lötstationen aus China

T12-Lötspitzen?

Seite einigen Monaten finden sich bei den bekannten chinesischen Online-Handelsplattformen Lötstationen verschiedener Bauart unter dem Stichwort “T12”. Was hat es damit auf sich?

Der japanische Lötzubehör-Hersteller Hakko (vergleichbar mit Ersa oder Weller hierzulande) bietet unter anderem Lötspitzen vom Typ T12 an, welche in den dafür geeigneten Lötstationen des Unternehmens eingesetzt werden können. Die Lötspitzen zeichnen sich dadurch aus, dass sie eigentlich nicht nur aus der Spitze selbst bestehen, sondern ca. 15 cm lang sind und dem entsprechend auch bereits das Heizelement und den Temperatursensor beinhalten. Zwei Verdickungen zur eigentlichen Lötspitze hin sorgen dafür, dass das Element beim Einschieben in den Griff einen Anschlagspunkt hat bzw. leicht einrasten kann. Das Handteil besteht im Prinzip nur noch aus den Kontakten im Griff. Dies führt vermutlich zu einer besseren Wärmeleitfähigkeit zwischen Heizelement und Spitze selbst und theoretisch auch zu einer besseren Erfassung der aktuellen Temperatur, da der Sensor ebenfalls mit eingearbeitet ist.

Die T12-Spitzen haben einen bestimmten, festen Widerstand, der bei 24 Volt Betriebsspannung zu einer Leistungsaufnahme von ungefähr 70 Watt führt. Rein rechnerisch hat das Heizelement damit einen Widerstand von etwa 8 Ohm. Diese Leistung ist für die meisten, auch anspruchsvolleren Arbeiten, ausreichend. Die Spitzen haben drei Kontakte, wobei die beiden Kontakte für das Heizelement auch zum Ermitteln der Temperatur dienen. Der dritte Kontakt ist zur Erdung der Spitze bzw. entspricht in der Regel Masse (GND).

R=\frac{U^2}{P}=\frac{24^2\,V}{70\,W}=\frac{576\,V}{70\,W}=8,23\,\Omega

Das Nachmessen der Spitzen an den Kontakten bestätigt den anhand der Leistung errechneten Widerstandswert.

Inzwischen sieht es so aus, dass es neben den T12-Lötstationen, auch nachgebaute T12-Lötspitzen gibt. In wiefern diese den Originalen von Hakko entsprechen, kann ich nicht beurteilen – den meisten Nutzern scheinen sie aber gut auszureichen.

Eine Lötstation für die Spitze

Da in der Spitze bereits ein wesentlicher Teil der Funktionalität einer Lötstation steckt, kamen vermutlich relativ bald verschiedenen Leute auf die Idee, sich lediglich die Marken-Lötspitzen von Hakko zu kaufen und dazu eine Lötstation selbst zu bauen. Letztendlich benötigt diese Station lediglich genug Leistung (3 Ampere bei 24 Volt) um die Spitze zu versorgen. Die größere Herausforderung ist da wahrscheinlich eher der Regelkreis. Dies wiederum ist der typische Einsatzbereich eines Micro-Controllers.

Zwei der T12-Lötstationen im direkten Vergleich. Die Station mit STC-Microcontroller steckt in einem Kunststoffgehäuse (oben), die auf dem STM32-Controller basierende Station in einem Gehäuse aus Metall (unten). Die Anschlüsse der beiden sind elektrisch nicht kompatibel. Beide haben ein Display, wobei die STC-Station nur die Temperatur anzeigt.

Im Moment sieht es wohl so aus, dass sich zwei Modelle bei den chinesischen Anbietern bzw. Händlern durchgesetzt haben. Eine, etwas einfachere, verwendet den STC Microcontroller von STMicroelectronics, und eine andere den STM32 Microcontroller vom gleichen Hersteller. Letzte Station ist etwas aufwändiger gebaut, z.B. lassen sich die Lötspitzen einzeln kalibrieren (zwischen den Profilen umschalten, muss man aber trotzdem von Hand).

Beide Stationen sind ungefähr gleich groß. Den mit Abstand größten Teil beider Stationen nimmt das Netzteil ein.

Beide Stationen gibt es entweder als DIY Bausatz oder bereits fertig zusammengebaut. Teilweise kann man verschiedene Gehäuse, Displays (Farben) und Netzteile kombinieren und natürlich auch unterschiedliche Handteile. Letztere kann man ebenfalls in Form von Einzelteilen erwerben und dann selbst zusammenbauen. Gerade bei den Netzteilen sollte man jedoch darauf achten, dass diese auch wirklich ohne größere Umbauarbeiten ins Gehäuse passen.

Beide Stationen haben den Netzschalter, eine gewöhnliche Kaltgeräte-Buchse hinten und sind jeweils mit einer Feinsicherung zusätzlich gegen Kurzschlüsse geschützt.

Die Anschlüsse für den Lötkolben sind bei den beiden Stationen nicht kompatibel. Wenn man eine Handteil/Lötkolben als fertiges Teil bestellt, sollte man unbedingt darauf achten, ob es für die STC oder STM32-Version vorgesehen ist. Baut man das Handteil selbst zusammen, ist man hier natürlich flexibler. Trotzdem gibt es Unterschiede: Beide verwenden einen Bewegungsschalter. Die STM32-Version zusätzlich eine Thermistor (NTC), um die Temperatur im Griff (am “cold end”) zu messen. Bei der STC-Version steckt dieser Sensor im Gehäuse.

Von außen lassen sich die Lötkolben für die beiden Stationen nicht unterscheiden. Es werden zudem diverse weitere Modell angeboten, darunter auch welche aus Aluminum und Edelstahl. Letztere kosten dann aber auch fast soviel wie die Station selbst.

1 Antwort zu “T12-Lötstationen aus China”

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